Übersicht

Einführung und Überblick über die Änderungen am Klärungsmanagement 2.0.

Klärungsmanagement 2.0

Die zweite Generation des Bilendo Klärungsmoduls. Vom Workflow-Werkzeug zum Kollaborations- und Reporting-Layer für offene Posten.

Klärungsmanagement 2.0 ist das größte Release im Bilendo Receivables-Produkt seit Einführung des Moduls 2020. Es adressiert sechs strukturelle Schwächen der bisherigen Version und ersetzt sie durch eine ereignisbasierte Architektur, in der klar ist, wer was von wem braucht, wann es passieren soll und warum ein Posten offen ist.

Dieses Dokument beschreibt die neue Version aus Anwender- und Konfigurationssicht und führt durch den zweistufigen Release-Prozess.

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Bilendo - Klärungsmanagement 2.0 (DE)


Warum eine neue Version

Das Klärungsmodul wurde 2020 als Workflow-Engine ausgelegt: Bedingung erfüllt → Klärung erstellt → Antwort möglich → Workflow erneut prüfen. Diese Architektur hat sechs Jahre Produktivbetrieb mit über vielen Zehntausend Usern überstanden, dabei aber sechs wiederkehrende Schwächen sichtbar gemacht.

Bekannte Schwächen der Version 1.0

BereichSymptom in der Praxis
Workflow-VielzahlUnterschiedliche Anwendungsfälle und Organisationsstrukturen erzwangen sehr viele parallele Workflows. Konfiguration wurde zur eigenen Disziplin.
Ein-Weg-KommunikationAntworten auf Klärungen waren möglich, aber kein echtes "hin und her". Rückfragen mussten über andere Kanäle laufen.
Unklare ZuständigkeitEs war schwer zu erkennen, bei wem der Ball gerade liegt – Reporter, Assignee, Team oder Bilendo.
Fehlende AuswertbarkeitGründe für offene Posten waren in einzelne Antwortvorlagen eingebettet und nicht zentral konsolidiert. Workflow-übergreifendes Reporting war nicht möglich.
Niedrige AntwortqualitätKlärungen wurden mit "ist in Klärung" beantwortet – semantisch leer, operativ wertlos.
Missbrauch als MahnsperreUser nutzten das Modul zur Verlängerung von Mahnsperren ohne sachlichen Grund.

Klärungsmanagement 2.0 ist die Antwort auf jede dieser sechs Schwächen.


Major Features

1. Event-Timeline

Jede Klärung ist jetzt ein chronologischer Ereignisstrom. Alle Vorkommnisse seit Erstellung – Kommentare, Eskalationen, Mahnsperren, Schließungen, Wiedereröffnungen, Genehmigungen, Ablehnungen – stehen auf einer Zeitachse mit Zeitstempel und Verursacher.

Die Timeline ersetzt die bisherige Punktansicht und macht Sucharbeit überflüssig: "Wer hat wann was warum gemacht" ist nicht mehr nur eine Frage an die Datenbank, sondern an die Oberfläche.

Aufbau der Klärungsansicht:


2. Info- & Action-Bereich

Zwischen Kontext und Timeline liegt ein neuer Block mit zwei klar getrennten Funktionen:

Info-Bereich: Was ist passiert, was wird passieren.

Action-Bereich: Was muss als nächstes passieren, wer macht das.

Wenn aktuell nichts zu tun ist, ist der Action-Bereich leer. Das ist Absicht: kein visueller Lärm ohne Handlungsbedarf.


3. Nächste Aktion & Nächste Aktion für

Das Modul beantwortet jetzt drei Fragen explizit auf jeder Klärung:

Reporter und Assignee werden klar getrennt dargestellt. Über der Action-Box steht in jeder Klärung eine Status-Zeile vom Typ Waiting for answer from Marina Freund (Assignee) oder Awaiting review from Maximilian Stuber (Reporter).

Damit ist die Frage "Wer ist eigentlich gerade dran?" final geklärt.


4. Bi-Direktionale Kommunikation

Klärungen sind keine Einbahnstraße mehr. Direkt an der Sache lässt sich:

Alle Beteiligten der Klärung werden über neue Kommunikation benachrichtigt. Die Konversation bleibt sichtbar in der Timeline – kein Wechsel auf E-Mail oder Teams nötig.

Praxiseffekt: Der Kontext einer Klärung bleibt am Beleg. Wer den Vorgang drei Monate später öffnet, sieht den vollständigen Gesprächsverlauf.


5. Standardisierung der Gründe

Die wahrscheinlich folgenreichste Änderung. Bisher waren Gründe in Antwortvorlagen eingebettet – ein Grund "Insolvenz des Käufers" konnte in zehn verschiedenen Workflows in zehn leicht abweichenden Varianten existieren. Reporting darüber war praktisch unmöglich.

Neu: Gründe sind eigenständige Stammdaten-Objekte.

Ein Grund besteht aus:

Derselbe Grund kann jetzt in beliebig vielen Antwortvorlagen und Workflows verwendet werden. Damit wird workflow-übergreifendes Reporting zum ersten Mal möglich:

"Offene Posten je Grund, Anzahl und Volumen, vergleichbar über Buchungskreise, Business Units oder Regionen hinweg."

Top-Gründe (Branchen-Referenz)

Für den Automobilhandel hat Bilendo eine Top-20-Referenzliste erarbeitet (Quellen: ZDK Jahresbericht, DAT-Report, Atradius Payment Practices Barometer, Kraftfahrtbundesamt, Praxiserfahrung Automobilhandel DACH). Diese kann als Ausgangspunkt für die eigene Konfiguration dienen:

Neu- & Gebrauchtwagen: Finanzierungsausfall · Gewährleistungsstreit · Inzahlungnahme-Differenz · Lieferverzug · Widerruf / Rücktritt · Flottenkonditionen-Differenz · Händlerbonus-Streit · Kilometerbetrug · Nachlass-Fehlauszahlung · Insolvenz des Käufers

Aftersales: Reparaturkostenstreit · Kulanz-Fehlbuchung · Garantieabrechnungs-Fehler · KVA-Überschreitung · Versicherungserstattung ausstehend · Teilereklamation · Flottenservice-Differenz · Werkstattrechnung verloren · Mobilitätsgarantie-Rückforderung · Schuldner nicht auffindbar


6. Genehmigungsverfahren

Das neue Genehmigungsverfahren formalisiert die Rolle von Bilendo als Orchestrator zwischen Buchhaltung und Vertrieb / After-Sales.

Buchhaltung
("Ich würde gerne mahnen. Darf ich?")
        ↓
   ┌─────────┐
   │ Bilendo │  ← Orchestrator: fragt nach, setzt Erwartung,
   │ Module  │     leitet weiter, genehmigt
   └─────────┘
        ↓
Vertrieb / After-Sales
("Bitte keine Mahnung. Kunde sensibel.")

Konkrete Mechanik:

Konfliktlösung bei mehrdeutigen Gründen

Eskalierte Klärungen können von mehreren Personen mit unterschiedlichen Gründen beantwortet werden. Wenn das passiert, kann der Reporter (oder ein Admin) als finale Instanz resolven:


7. Zugehörige Belege (Pull-in / Pull-out)

Bilendo zieht automatisch alle zugehörigen Belege in eine Klärung, sobald sie über das Zuordnungsfeld oder die Schnittstelle identifizierbar sind. Konkret heißt das:

Praxiseffekt: Eine Klärung über eine Reklamation, der zehn Folgerechnungen anhängen, wird nicht mehr in zehn parallelen Klärungen geführt. Ein Vorgang, eine Konversation, ein Schließungszeitpunkt.


Zusätzliche Funktionalitäten

Neben den Major Features bringt das Release eine Reihe weiterer Verbesserungen:


Migration & Release-Plan

Klärungsmanagement 2.0 wird in zwei Stufen ausgerollt. Daten und Einstellungen werden vollständig von Bilendo migriert – Kunden müssen nicht selbst migrieren.

Timeline (voraussichtlich)

KalenderwochePhase
KW 21Webinare (Vorstellung des Releases)
KW 22Webinare + Versand der Checklisten zur Release-Vorbereitung
KW 25Release Teil 1 – Private Beta
Datenmigration, neue Oberflächen, neue Listenansichten, Workflows
KW 27Release Teil 2 – Public Beta
Datenmigration, neue Oberflächen, neue Listenansichten, Workflows
KW 41Release Teil 3 – Einarbeitung von Feedback und Verbesserungen

Hinweis: Die ursprünglich für KW 22 geplante Veröffentlichung wurde auf Basis von Kundenfeedback verschoben, um ausreichend Vorlaufzeit für die Vorbereitung zu schaffen.

Was Bilendo automatisch macht

Was wir Kunden empfehlen

Sie müssen nichts tun – aber wer Folgendes vorbereitet, profitiert schneller von den neuen Reporting-Möglichkeiten:

  1. Gründe-Inventar aufnehmen Bestehende Antwortgründe einmal komplett auflisten. Erfahrungswert: 15–20 Gründe im Schnitt, maximal 50.

  2. Schlagworte für die Titel definieren Pro Grund ein bis drei Worte als prägnanter Titel (z. B. "Finanzierungsausfall" statt "Bank oder Leasinggesellschaft lehnt Antrag ab; Händlerzahlung bleibt aus.").

  3. Farbliche Kategorisierung überlegen Z. B. Liquiditätsrisiko (rot), Streitfall (gelb), Prozess/Admin (blau).

  4. Trainings-Material vorbereiten Eine generische Trainings-Umgebung wird vor dem Release bereitgestellt, in der Key User die Oberflächen kennenlernen und eigene Schulungsvideos für die interne Weitergabe aufzeichnen können.

Empfehlung zum Release-Zeitpunkt

Wir empfehlen, den Release Teil 1 an einem Mittwoch durchzuführen und Workflows für Donnerstag und Freitag zu pausieren. So entsteht ein 1–2-tägiger "Lern-Korridor", in dem Key User:

Workflows werden am Wochenende oder am Folge-Montag wieder aktiviert.


Wichtige Hinweise

Globaler Release ohne Opt-out

Bilendo ist eine Cloud-Anwendung. Der Release erfolgt gleichzeitig für alle Kunden weltweit. Es gibt keine Möglichkeit, beim alten Modul zu bleiben – analog zur Aktualisierung von Google-Diensten oder anderen SaaS-Plattformen.

Der Vorteil: Sie müssen keine Updates installieren, keine Wartungsfenster planen, keine Systemzustände abgleichen.

Funktionale Kontinuität

Nach Release Teil 1 (KW 25) ist die Oberfläche neu, aber alle Workflows, Automatisierungen und Prozesse laufen unverändert weiter. Die strukturellen Workflow-Verbesserungen kommen erst in Release Teil 2 (KW 27) – bewusst getrennt, damit Anwender sich zuerst an die neue Oberfläche gewöhnen können, bevor sich Workflow-Logik ändert.

Support während der Release-Phase

Während der gesamten Release-Phase steht das Bilendo Customer Success Team zur Verfügung. Zusätzlich werden: